Warum ein Hund aus Schottland?

Als wir unseren Ikon of Hilltop voriges Jahr verloren, habe ich mir geschworen, dass er einen würdigen Nachfolger bekommen sollte. Nach ein paar elenden, hundelosen Monaten begann ich, mich umzusehen. Mein Wunschtraum war ein Orangeschimmel und mühevolle Recherchen begannen. Ich studierte Ahnentafeln, verglich Fotos und kontaktierte die verschiedensten Züchter in Belgien, Holland, Schweden, Spanien und natürlich Großbritannien. 3 Würfe schienen sehr interessant zu werden und auch die Wurfdaten passten in meine Zeitplanung. Doch – es schien wie verhext zu sein: bei 28! Welpen war kein einziger orangeschimmel Rüde dabei, nur Hündinnen. Mittlerweile schon ziemlich frustriert dachte ich mir, anschauen kostet nichts und forderte Videos an. Mitte Februar konnte ich dann die „Lochdene“-Buben auf Band ansehen und sie waren allesamt so entzückend, dass mir die Farbe immer unwichtiger wurde. Ein quirliger kleiner Blauschimmel stach mir besonders ins Auge und ich fragte, ob er denn zu haben wäre. Mrs. Shaw wollte sich aus diesem Wurf keinen Rüden behalten und versprach mir deshalb, mir diesen „pick of the litter“ zu geben. Die Spannung stieg! Als Abholtermin wurde das Wochenende 25./26. März vereinbart und für mich begannen Wochen der Vorbereitungsarbeiten. Als erstes musste ich natürlich einen Flug organisieren, denn ich wollte mir mein Baby selbst holen und auf keinen Fall im Frachtraum reisen lassen. Glücklicherweise wurde am Sonntag ein Direktflug Edinburgh-Wien angeboten! Zugpläne für die Weiterfahrt von Edinburgh nach Dundee, von wo mich die Shaw’s abholen würden, wurden studiert und ein Zeitplan ausgearbeitet. Ein aufregendes, anstrengendes Wochenende stand bevor!

Nach einem angenehmen Flug und einem 2-stündigen Zwischenstop in Heathrow erreichte ich um Punkt 12 Uhr Edinburgh. Eine kurze Stärkung am Flughafen und weiter ging’s mit dem Bus in die City von Edinburgh zur Bahnstation. Um 12.45 bei der Waverley Station angelangt, schnell ein paar Fotos geschossen, Bahnticket gekauft und schon fuhr der Zug ein. Pünktlich um 14.30 stieg ich in Dundee aus, wo ich von Mrs. Shaw bereits erwartet wurde.

Ravensby Hall ist ein wunderschönes Herrenhaus! Überall hängen Bilder von erfolgreichen Cockern und Pferden (Mrs. Shaw war in ihrer Jugend eine erfolgreiche Reiterin und hat mit selbst gezüchteten Pferden noch mehr Preise als mit ihren Cockern gewonnen). Man zeigte mir mein Zimmer – mit Himmelbett natürlich! und nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht hatte, war ich natürlich schon sehr gespannt auf die Hunde.

Die Lochdene Cocker leben auf einem eigenen Gelände und jede Hundefamilie hat ein eigenes Holzhäuschen als Schlaf- und Aufenthaltsraum. Alle Hunde sind getrimmt und das Anwesen ist peinlichst gepflegt. Ich wurde von der Hundemeute mit lautem Hallo begrüßt und dann durfte ich mir mein Baby aussuchen. Würde ich ihn erkennen? Mrs. Shaw war überrascht, mit welcher Sicherheit ich mir meinen „Piper“ aus der Schar herausfischte. Es war beidseitig Liebe auf den ersten Blick! Ich durfte Piper mit auf das Zimmer nehmen und nachdem wir uns besser kennengelernt hatten, schliefen wir aus lauter Aufregung am Bett ein. Um 19 Uhr brachte ich Piper wieder zu seinen Geschwistern zurück und Familie Shaw fuhr mit mir zu einem phantastischen Restaurant. Es gab schottischen Räucherlachs Lammkoteletts, Steaks vom Angus-Rind und, und, und.... Bis weit nach Mitternacht unterhielten wir uns blendend über Wien, Walzer, Richter, Züchter und – natürlich Hunde! Ich habe viel interessantes dabei erfahren.

 Am Sonntag hieß es schon zeitig aufstehen, um rechtzeitig am Flughafen zu sein. Nachdem ich noch kurz mit Piper‘s orangeschimmel!!-Schwester geschmust hatte, fuhren wir los. Doch – oh Schreck! Justament am Sonntag war ein Teil der Zubringerautobahn zum Flughafen wegen Bauarbeiten gesperrt. Was das bedeutete, kann man sich vorstellen! Endloser Stau! Um 12.30 Uhr kamen wir endlich am Flughafen an. Eine halbe Stunde Zeit bis zum Abflug! Da bestand die Dame beim check-in trotz schriftlicher Bestätigung, dass der Kleine mit mir in der Kabine mitfliegen dürfte, auf zusätzliche Erlaubnis der Crew. Doch anstatt sich kurz zu fassen, wurde endlos über Bordfunk geschäkert! Die Minuten verrannen, meine Nerven lagen blank. Es war mittlerweile 12.50. Um 13 Uhr war Abflug! Endlich, um 12.55 das O.K. Noch schnell ein Küsschen von Patricia und shake-hands mit Peter und ich rannte, begleitet von Security, Piper in seiner Reisetasche quer über das Rollfeld, wo mein Flugzeug schon warmlief. Uff- das war knapp!

 Den Flug haben Piper und ich in der Business-class (nachdem meine vorgesehene Sitznachbarin sich weigerte, neben einem Hund zu sitzen) genossen. Piper hat das Paprikahuhn mit mir geteilt und sich mustergültig verhalten.

 Mittlerweile hat er sich bei uns schon gut eingelebt, ist um ein schönes Stück gewachsen und wird von Tag zu Tag bezaubernder.

Für mich haben sich diese Strapazen ausgezahlt! Ob ich es nochmal machen würde, weiß ich aber trotzdem nicht, denn – nicht alle Züchter sind so kooperativ und - von den Kosten ganz zu schweigen!

 Gertrude Lukezic, März 2000

 

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